Verfasst von: Seemädel | 11. Oktober 2017

Seemädel, #Xavier, die Bahn und die Kommunikation

Irgendwie habe ich ein Talent dafür, auf eine größere SMD-Veranstaltung zu fahren, kurz nachdem ein Sturm vorbei ist… bei Niklas bin ich ja von Lübeck über Hamburg und Hannover nach Kassel gefahren. Im Gegensatz zu ein paar Donnerstag schon angereisten Mitarbeitern ging es mir aber natürlich sehr gut. Bei allen Erlebnissen mit der Bahn, die ich schon so hatte, habe ich noch nie eine Evakuierung auf freier Strecke erlebt oder mein Ziel nicht mehr am selben Tag erreicht. Von den Mitarbeitern bekam ich auf jeden Fall mit, dass einer es schaffte, in Hamburg den letzten Mietwagen zu ergattern, bevor die Filiale dichtmachte. So konnte er dann auf dem Weg nach Marburg ein paar Kollegen aufsammeln, nachdem sie aus dem Zug evakuiert worden waren 🙂
(Am besten erging es diesbezüglich allerdings sicher den Mitarbeitern, die schon Mittwoch angereist waren^^)

Ich hatte aus Zeitgründen schon bei der Anmeldung beschlossen, erst Samstag (statt wie sonst Freitag) zu fahren. Und im Hinblick auf Xavier war das sicher eine gute Idee… immerhin war Samstag die Strecke nach Hannover zumindest eingleisig befahrbar. Ich habe mitbekommen, dass eine Teilnehmerin es relativ spät am Freitag Abend von Hamburg geschafft hat und einer es aufgegeben hat und erst Samstag ganz früh gefahren ist.

Das wirklich große, mich stressende Manko war wie immer: die Kommunikation bzw. allgemein die Informationslage
Ich habe Verständnis dafür, dass Züge nicht durch Bäume durchfahren können und dass die Aufräumarbeiten etwas dauern (wobei ich die Idee gut finde, da wie früher einen 10m breiten Streifen ohne Bäume an den Gleisen zu haben; ich bin sicher, die Umwelt würde das verkraften). Ich kann nachvollziehen, dass die Umläufe gestört sind und Züge und Crews auch 1-2 Tage nach dem Unwetter nicht dort sind, wo sie sein sollten.
Nur warum weiß man das erst kurz vor der Abfahrt? Tauchen die Züge da urplötzlich auf oder verschwinden in Schwarzen Löchern? Schlussendlich fuhr der eigentlich geplante, durchgehende IC, nur leider wusste das keiner. Ich hätte den Zug problemlos nehmen und entspannt bis Marburg durchfahren können, wenn ich das gewusst hätte… Oder anders gesagt: Dieser Text könnte auch nur halb so lang sein, wenn ich es gewusst hätte *g*.
Bei der Reiseauskunft stand übrigens auch Samstag Morgen bei einigen Zügen noch, dass die Strecke noch voll gesperrt sei, während zeitgleich andere Züge laut Auskunft dort schon fuhren. Mit letztem Stand vom Vortag gegen 21 Uhr. Während ich bei einigen Abfragen spät abends auch schon bei Zügen derselben Strecke Stand 23 Uhr gesehen hatte und morgens was mit 8 Uhr. Das trug nicht gerade zu meinem Vertrauen in die Angaben bei. (Mittags stand dann wieder bei einem Zug „Die Züge enden bzw. beginnen in Hannover Hbf“ Was so pauschal aber ja gar nicht mehr stimmte. Da hätte ich die Formulierung „Einige Züge…“ verständlicher gefunden.)

Ich war am Samstag Morgen in Lübeck am Servicepoint, etwa 1,5h Stunden, bevor der IC in Altona abfuhr, den ich ab Hamburg nehmen wollte. (Eigentlich hatte ich in Lüneburg in diesen Zug steigen wollen, aber über Hamburg zu fahren, erschien mir sinnvoller – da gibt es mehr Alternativen, falls er doch noch ausfällt.) Zu diesem Zeitpunkt konnte mir keiner sagen, ob der IC fahren wird. Im Internet stand er als pünktlich, aber mit dem Standardwarnhinweis, dass es noch zu Ausfällen und Verspätungen kommen kann und man kurz vor der Abfahrt noch mal nachsehen soll. Der Mitarbeiter am Servicepoint hatte offenbar auch nur eingeschränktes Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Informationen und meinte „Ich würde mich da auf gar nichts verlassen. Fahren Sie unbedingt über Hamburg und nehmen Sie den ersten Zug nach Süden“. Nachdem ich bei Niklas damals schon erlebt hatte, dass Züge, die noch kurz zuvor als pünktlich drin standen, doch nicht fuhren, entsprach sein Ratschlag meinem Bauchgefühl. Irgendwie hat sich da seit Niklas vor 2,5 Jahren nichts geändert an der Informationspolitik.
Der erste Zug gen Süden war ein ICE und nachdem ich einen Sitzplatz gefunden habe, bin ich bis Kassel drin geblieben. Wobei ich halt nicht entspannt vor mich hindösen kann (was der ursprüngliche Plan gewesen war…), wenn ich nicht weiß, wie lange ich da sitzen bleiben kann und wie es genau ab Kassel weitergeht. Immerhin fuhr der IC hinter uns, aber wie viel Verspätung der möglicherweise noch aufsammeln würde, wusste natürlich keiner. Oder wie voll er ist und ob man einen Platz bekommt.

Bis Kassel ging es insgesamt recht gut. Wir mussten zwar in Celle eine Weile auf den Gegenzug warten, aber damit hatte ich kein Problem. Auch wenn ich natürlich gerne so früh wie möglich ankommen wollte, denn ich war ja ohnehin schon nur verkürzt da.

In Kassel wurde es dann spannend. Durch die Verspätung war abzusehen, dass man den nächsten RE nicht mehr bekommt. Ich bin trotzdem zügig losgegangen und konnte ihm gerade noch von oben zuwinken. Also zurück zum Bahnsteig, wo später mein eigentlich von Anfang an geplanter IC fahren sollte. Der stand bei „+25“ und somit hatte ich ungefähr eine Stunde Zeit.
Dann fiel mir auf, dass auf der anderen Bahnsteigseite irgendwie der Zug nochmal steht… genaueres Hinsehen ergab dann, dass es sich nicht um denselben Zug handelt, sondern um den, der 2 Stunden vorher fahren sollte. Der hatte allerdings 90 Minuten Verspätung und fuhr gerade ein. Freudig überrascht stieg ich in den angenehm leeren Zug. Auch die Durchsage „unsere Abfahrt verzögert sich noch um weitere 15-20 Minuten, da das ablösende Zugteam noch nicht angekommen ist“ entlockte mir nur kurz ein leichtes Augenrollen. Nur leider scheuchte mich 2 Minuten später die nächste Ansage wieder auf „der Zug hält heute nicht in … Marburg …“ Also wieder raus aus dem Zug. (Der Zug war nicht wie geplant von Hamburg gefahren, sondern erst ab Hannover, was auch einige Stunden vor der Abfahrt bekannt war. Darum überraschte mich die Verspätung, weil er ja nicht über das eingleisige Stück musste. Wie mir später jemand erzählte, hatten sie einen technischen Defekt an Waggons, die mittendrin waren. Und wurden dann erstmal auf einem Abstellgleis hin- und herrangiert, um die Waggons aus dem Zug zu holen.)

Die Anzeigetafel in Kassel bestand bzgl. Fernverkehr überwiegend aus Informationen wie „>1 Stunde später“ und noch mehr „Zug fällt aus“, in alle Richtungen. Mich hat etwas überrascht, dass auch nach Süden noch so viele Züge ausfielen. Ich dachte, dass dadurch, dass die Züge zum Teil in Hannover umdrehen, es ab dort nach Süden deutlich besser aussehen würde. Und die Angaben vom Service Point entsprachen auch nicht unbedingt immer denen auf der Tafel oder im Navigator, was eine ältere Dame recht ratlos zurückließ.

Schlussendlich landete ich also im von Anfang an geplanten IC. Der war nur „etwas“ voller, als er vermutlich noch in Hamburg gewesen war. Nach einer kurzen Nacht war ich einfach nur müde und nachdem ich schon bis dahin nicht hatte wenigstens dösen können, sank meine Laune seeehr tief, als klar wurde, dass ich vermutlich irgendwie frei im Raum stehend die Stunde nach Marburg verbringen muss. Aber es gab dann nette Mitreisende, die meinten, dass wir doch meinen Rucksack zwischen die Fahrräder schieben könnten (ich war im Mehrzweckabteil) – und ich stellte dann fest, dass ich doch da eigentlich auch noch dazu passen müsste^^

Im Mehrzweckabteil

Im Mehrzweckabteil

Die Rückfahrt war dann zum Glück sehr langweilig. Wobei ich auch da den Kopf über die (Nicht-)Kommunikation geschüttelt habe… mein IC fuhr nur von Frankfurt bis Hamburg (statt von Karlsruhe bis Stralsund oder Greifswald). Konnte mir zum Glück egal sein, aber ich bin ja nicht die einzige Reisende… von daher hätte ich es schon ganz nett gefunden, wenn das in Marburg auf der Anzeigetafel gestanden hätte. Oder wenn es einen Hinweis auf die umgekehrte Wagenreihung gegeben hätte… aber gut, so musste ich durch einen anderen Wagen und stellte fest, dass dieser a) bequeme ICE-Sitze und b) jede Menge freie Plätze hat. Woraufhin ich beim ersten Blick in den Waggon, wo mein reservierter Platz war, wieder kehrtgemacht habe. Das war nämlich so ein Waggon mit den uralten Sitzen, wo man nach 2 Minuten das Gefühl hat, dass einem die Sprungfedern in den Hintern drücken *g*.
Ab irgendeinem der folgenden Bahnhöfe stand dann aber an der Anzeigetafel, dass der Zug in Hamburg endet und die Wagenreihung nicht stimmt – gesehen habe ich es in Hannover, aber vielleicht stand es ja auch in Göttingen schon dran, da habe ich die Tafel nicht gesehen.
Und in Hamburg standen zwar etliche verspätete und ausfallende Züge an der Tafel, aber der Zug nach Lübeck fuhr ganz normal. Er war nur ziemlich voll. Also zumindest am Ende und in der Mitte. Ich war vorne und irgendwann kam die Durchsage, dass man doch bitte auch diese Waggons nutzen solle, da gebe es freie Plätze. Ich werde wohl nie verstehen, dass die Leute das nicht checken, aber gut für mich, wenn sie alle lieber gequetscht irgendwo stehen wollen^^

Insgesamt hätte es sicher schlechter laufen können, andere Strecken waren ja auch wesentlich länger und heftiger betroffen. Aber mich nervt trotzdem, dass man nichtmal 2 Stunden vor Abfahrt des Zuges sagen kann, ob er fährt. Zu dem Zeitpunkt weiß man doch eigentlich, welche Züge es in den letzten Tagen nicht nach Hamburg geschafft haben… Und es ging nicht nur mir so. Man kommt an so Tagen ja immer mit Leuten ins Gespräch. Was ich mitbekommen habe, war größtenteils viel Verständnis für Ausfälle und Verspätungen (selbst bei Leuten, die seit 2 Tagen unterwegs waren), aber auch viel Ärger über falsche oder mangelhafte oder nicht vorhandene [halbwegs sichere] Informationen.
Jetzt im Nachhinein denke ich beim Lesen dieses Textes ja „war doch ganz harmlos“, aber am Samstag hat die Situation [nicht nur mich] schon sehr genervt.

Ich hatte Freitag tatsächlich kurz überlegt, nicht zu fahren, weil es sich irgendwann auch nicht mehr gelohnt hätte, wenn die Verspätung größer gewesen wäre. Nachdem die Strecke dann wieder teilweise befahrbar war, habe ich es dann aber doch gewagt. Und immerhin war ich nur eine halbe Stunde später da als geplant und netterweise 2,5 min vor Abfahrt des [stündlich fahrenden] Busses 🙂 Ich gehe die Strecke nach Wehrda zwar auch gerne zu Fuß, aber der Bus ist doch deutlich schneller. Also bin ich gleich nach der Ankunft losgeflitzt und habe den Bus auch bekommen.
Als ich dann mal da war und mich etwas erholt hatte, war ich dann auch froh, dass ich gefahren bin – es war wie immer sehr schön :-).

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Responses

  1. Du hast ja immer Erlebnisse mit der Bahn. 😀 Eines Tages wird es bestimmt in einem Buch veröffentlicht. Spätestens mit 50 Jahren sollten deine Bahnerlebnisse ein ganzes Buch füllen können.^^

    • Kommt auf die Dicke vom Buch an^^


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