Verfasst von: Seemädel | 20. Juni 2015

Bahn (13) – Die Bahn und die Technik IV

Willkommen zum vierten Akt im Drama „Die Deutsche Bahn und die Technik“.
Freuen Sie sich auf Inhalte aus den Sparten Automaten(un)logik, Softwareprobleme und Kommunikation mit Kunden.

Ja, das Seemädel fuhr mal wieder Zug. Eigentlich eine ganz harmlose Fahrt, es ging gerade mal bis Hamburg. Das Problem waren auch gar nicht die (fast auf die Minute pünktlichen) Züge.
Das Problem lag schon weiter vorne…

Kurz zum Tarif hier: Der SH-Tarif, der auch den HVV (Hamburg) einschließt, wird nach durchfahrenen Zonen berechnet. (Wir haben zwar noch nicht rausgefunden, wieso es billiger ist, zwei Karten Lübeck – Plön und Plön – Kiel zu lösen als eine durchgehende Karte Lübeck – Kiel, aber egal.) Auf jeden Fall spart mir das Semesterticket eine Zone, weshalb ich als Abgangs- bzw. Zielbahnhof nicht Lübeck Hbf, sondern „Lübeck Anschlussfahrkarte“ angeben muss. Bisher war das auch nie ein Problem. Die Ersparnis ist etwa 1,50 € – sicher nicht wahnsinnig viel, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.

Preis normal / Preis mit BC:
Lübeck Hbf – Hamburg: 13,70 / 10,30
Lübeck Anschlussfahrkarte – Hamburg: 11,70/ 8,80

Heute wollte ich das also wie immer machen. Wunderte mich noch etwas über den Preis, weil die jährliche Preiserhöhung eigentlich im August ist, aber gut… kann ja auch mal zu einem anderen Zeitpunkt erhöht worden sein, wer weiß.
Auf der ausgedruckten Karte stand dann aber trotz meiner Angabe „Lübeck Anschlussfahrkarte“ Lübeck Hbf, was den höheren Preis erklärte. Am Servicepoint hieß es nur, ich müsse erst „Verbundfahrschein“ wählen und dann „Lübeck Anschlussfahrkarte“. Kam mir komisch vor, denn ich habe das schon öfter anders gemacht.

Später habe ich das ganze dann an einem Automaten in Hamburg sowie abends an mehreren in Lübeck ausprobiert. Fazit: Das Fehlverhalten ist reproduzierbar. Und es ist ziemlich verwirrend…

  • Geht man in Lübeck über die normale Fläche für Fahrkartenkauf, wird die Anschlussfahrkarte ab Lübeck angeboten, aber der Automat springt ohne jede Angabe dazu einfach auf Lübeck Hbf um.
  • Geht man (in Lübeck und Hamburg) über die Fläche mit dem Verkehsverbund, wird Lübeck Anschlussfahrkarte als Abgangsort gar nicht angeboten.
  • Geht man in Hamburg-Hasselbrook über die normale Fläche für Fahrkartenkauf, wird die Anschlussfahrkarte ab Lübeck angeboten, aber der Automat springt ohne jede Angabe dazu einfach mal auf die Strecke Hasselbrook – Hamburg Hbf um.
  • An allen Automaten und in allen Varianten kann man aber Fahrkarten nach „Lübeck Anschlussfahrkarte“ kaufen.

Daraufhin habe ich abends am Servicepoint in Lübeck nochmal nachgefragt, wem man melden kann, wenn es an sämtlichen Automaten Störungen gäbe. Folgender Dialog spielte sich dann in etwa ab:
Bahnmitarbeiter: *blödguck*
Seemädel: *erklärt, was das Problem ist*
B: Ja, momentan bekommt man die Anschlussfahrkarten nur am Schalter.
S: ?
B: Den Menüpunkt gibt es momentan nicht.
S: Doch, es gibt ihn, aber der Automat stellt das dann einfach auf Lübeck Hbf um.
B: Ist ein Softwareproblem.
S: Ich fände es nett, wenn man am Automaten irgendwie daraufhingewiesen würde, also wenn z.B. wenigstens ein Zettel da hinge.
B: Anschlussfahrkarten gibt es momentan nur am Schalter.
S (fühlt sich irgendwie an die unfruchtbare Diskussion bzgl. Tagessaft erinnert und atmet tief durch): Ich fände einen Hinweis trotzdem nett, schließlich zahlt man dadurch zu viel.
B: *doofgrins* und *schulterzuck*
S: Es ist zwar nur etwa 1,50€ , aber ich finde es trotzdem ärgerlich. Könnte man nicht tatsächlich einfach einen Hinweis an die Automaten hängen?
B: *doofgrins* und *schulterzuck*
S: Und wann wird dieser Softwarefehler behoben?
B: Beim nächsten Softwareupdate.
S: Ah ja, und wann ist das so in etwa?
B: *schulterzuck*
S: Und wo könnte ich mich beschweren? Vielleicht geht es ja schneller, wenn Kunden sich beschweren…
B: „Regionalbahn Schleswig-Holstein“ *Kärtchen reich*

Das Seemädel ging daraufhin, schrieb in Gedanken bereits eine Mail an die Bahn und den Blogartikel und fragte sich, ob es wohl auch bei einem Softwarefehler, durch den etlichen Leuten zu billige Fahrkarten verkauft würden, so lange dauern würde, bis er behoben wird…

(Bevor einer meint, dass ich nur auf die böse Bahn einschlage: Nein, darum geht es mir gar nicht so sehr. Softwarefehler können passieren. Dass sie offenbar nicht direkt nach Feststellung korrigiert werden, finde ich schon bedenklicher. Und dass man nicht einfach einen Zettel mit dem entsprechenden Hinweis an die Automaten hängt, ärgert mich wirklich. Zumindest wenn man noch Zeit hat und es einen Schalter gibt – wäre bei mir heute morgen gegeben gewesen –, könnte man dann noch dorthin ausweichen. Auch das wirklich dämliche Grinsen von dem Bahnmitarbeiter heute Abend hat mich geärgert.
Und falls ihr nicht glauben könnt, dass ein Automat tatsächlich solchen Murks macht: Ich kann euch auf Wunsch gerne Beweisvideos hochladen…)

Ach ja, und eine hübsche Durchsage gab es auch (nach der ersten Aufforderung, die Türen freizumachen):
„Werte Fahrgäste, da die Türen noch blockiert sind, verzögert sich die Abfahrt. Wir bitten um Geduld.“
Das beste dabei war der gelangweilt-amüsierte Ton des Durchsagenden, der sehr deutlich implizierte, dass die lieben Fahrgäste verantwortlich für die Verzögerung sind.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: