Verfasst von: Seemädel | 22. August 2013

Schülermentoren

„In BaWü gibt es Schülermentoren für die verschiedensten Richtungen (hauptsächlich alle möglichen Sportarten und Musikensembles, aber auch Sozialmentoren wie z.B. Streitschlichter). Ziel ist, Choreiter/ Sportlehrer (in AGs)/ Übungsleiter… zu unterstützen, dafür gibt es eine Ausbildung über einige Wochenenden, die mit einer Prüfung abschließt.“ (Das war die Kurzbeschreibung im anderen Artikel.)
Das ist eine „Kooperation Schule – Verein“, wobei laut den Vereinen vom Bereich Schule (Kultusministerium) in erster Linie die Unterschrift unter der Urkunde und der „offizielle Anstrich“ kommt, während der Löwenanteil des Geldes von den Vereinen gestellt wird… auf jeden Fall habe ich die Chormentorenausbildung gemacht, was bedeutete, dass wir 5 Wochenenden Ausbildung hatten, wo wir in erster Linie Dirigieren und Chorleitung (einsingen, Stücke einstudieren, Töne angeben mit der Stimmgabel…) gelernt haben, aber wir hatten auch Einheiten in Musiktheorie und Gehörbildung, Spielepädagogik, Aufsichtspflicht, Recht (z.B. Versicherungen, GEMA…), Führung & Rhetorik, Liedbegleitung u.a. durch „Vocussion“, ein oder zweimal hatte jeder Einzelstimmbildung und bestimmt hab ich irgendwas vergessen. Am Ende war eine Prüfung, außerdem mussten wir einen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen und ein halbes Jahr Praktikum in einem Chor machen.
Ziel der Mentorenausbildung ist prinzipiell, den Chorleiter zu unterstützen, z.B. indem man mal das Einsingen übernimmt, Stimmproben durchführt… im sportlichen Bereich unterstützt man bei den Sport-AGs den Lehrer/ Übungsleiter oder fährt mit ins Skischullandheim. Zumindest in Musik und Sport ist die Ausbildung ziemlich differenziert, es gibt also nicht so einfach „Musik-“ bzw. „Sportmentoren“, sondern Chor-, Orchester-, Blasmusik-,…, Ski-, Basketball-, Volleyball-,… Mentoren.

Ich war beim Schwäbischen Sängerbund und dort hatten wir die Möglichkeit, durch eine Zusatzprüfung in Gesang und Musiktheorie einen verbandsinternen Chorleiterschein zu bekommen, was ich auch gemacht habe.
Ich habe dort eine Freundin kennengelernt, zu der ich bis heute Kontakt habe, und es war einfach toll, so einen Haufen singbegeisterter Leute zu haben. Wir haben vor dem Essen gesungen und nach dem Essen und in der freien Zeit am Abend und im Burghof beim Abendspaziergang und beim Warten auf den Zug und im Bus vom Bahnhof nach Altensteig und im Zug (allerdings nur solange, bis sich jemand beschwert hat, dann haben wir aufgehört) und ein Teil hat wohl mal in einer Kneipe gesungen und wurde gleich gefragt, ob sie bei einer Feier auftreten würden^^
Dadurch, dass man die Chormentorenausbildung nur machen kann, wenn man schon gewisse Vorkenntnisse mitbringt, haben wir halt meist vom Blatt und auch ohne Noten mindestens mit 4 Stimmen gesungen – und auch wenn es sicher nicht direkt aufführungsreif war, war es dennoch bestimmt nicht allzu schlecht. Mit einem durchschnittlichen Schulchor im Schulkonzert hätten wir es auch ohne Proben locker aufgenommen. Es war jetzt also nicht so, dass wir den Menschen, die zuhören „mussten“, was ganz schreckliches vorgejault hätten 😉 Wir hatten außerdem das Glück, dass wir Männer hatten – nachdem beim Badischen und beim Schwäbischen Sängerbund nur jeweils wenige männliche Teilnehmer angemeldet waren, haben die Verbände beschlossen, dass sie alle Männer zum Schwäbischen Sängerbund schicken, weil sonst keine Gruppe richtig hätte arbeiten können.
Lustig war der Tag, als wir aus Raummangel im Speisesaal proben mussten und an der Spülmaschine der nahen Küche verzweifelt sind – die brummte nämlich in As… eine Stimmgabel hat A… schlussendlich haben wir kapituliert und an dem Tag alles einen Halbton tiefer gesungen^^

Spannend war auch immer die Frage, wer sonst noch so in den Räumen der Musikakademie ist. Ich erinnere mich nicht an alle Male, aber woran ich mich noch erinnere:
die Hackbrettgruppe, die tagsüber in allen Ecken stand und übte – wo man ging und stand, stolperte man förmlich über 1-2 Hackbrettspieler
das Blechblasensemble, dass unserem Ausbilder die besondere Freude bereitet hat, des Nachts unter seinem Fenster das Bier vom Magen in die Blumenbeete zu befördern
der Chor, wo irgendein „höheres Tier“ unseres Verbandes dabei war und dann natürlich gleich mal bei uns vorbei schaute

Einen Tag waren wir an der Musikhochschule in Trossingen, hatten dort ein Führung, konnten Fragen stellen und bei den Dozenten vorbeischauen (unter Musikmentoren ist die Quote derer, die Musik studieren will, vermutlich etwas höher als in der Durchschnittsbevölkerung *g*) und durften dann bei einer Chorprobe mitmachen. Ich weiß nur noch, dass es etwas aus der Matthäuspassion und eine Doppelmotette von Bach war (d.h. 8 Stimmen) und wir einfach zwischen die Studenten gesetzt wurden und mitsingen durften. Seitdem träume ich davon, mal so eine Doppelmotette richtig zu singen, aber bislang fehlt mir der Chor dazu^^ Ich bin zwar mittlerweile wieder in einem klassisch singenden Chor (Kantorei), der für einen Laienchor auch ziemlich gut ist, aber ich glaube, eine Doppelmotette wäre dann doch eine Nummer zu groß.

Die feierliche Urkundenverleihung war dann mit allen Musikmentoren zusammen, jede Gruppe hat ein oder zwei Stücke vorgetragen, ein paar Reden gab es natürlich auch, Schirmherr oder oder Hauptredner (weiß ich nicht mehr genau) war damals Helmut Rau, aktiv im Blasmusikverband zu der Zeit Staatssekretär im Kultusministerium BW, die Unterschrift (sogar echt handschriftlich und nicht nur kopiert) kam von seiner Chefin Annette Schavan, die er dann später beerbt hat, als sie nach Berlin ging.

Leider hatte ich danach kaum noch Gelegenheit, was davon anzuwenden, aber ich würde gerne wieder was in die Richtung machen, vielleicht auch nochmal eine Ausbildung draufsetzen (also nicht als Beruf, aber „nebenher“, um es dann ehrenamtlich einzusetzen). Aber aktuell fehlt mir ganz klar die Zeit…

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