Verfasst von: Seemädel | 6. August 2013

Bahn (5) – Internationales

Natürlich kann man nicht nur mit der Deutschen Bahn so manches erleben 😉

In Italien und Frankreich wird ja gerne mal gestreikt (und zwar häufiger als in D, auch wenn man irgendwie den Eindruck hat, dass bei der DB dauernd irgendeine der Gewerkschaften streikt…). In Italien hatte das den Effekt, dass laut der Bahnmitarbeiterin kein einziger Nahverkehrszug zwischen Rom und Neapel fuhr, sondern nur die teuren Schnellzüge… da wir die Unterkünfte entsprechend gebucht hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als ein mehrfaches dessen, was wir vorgehabt hatten, für die Fahrkarte auszugeben.
Die Rückfahrt war auch spannend, zumindest bis wir endlich im CNL nach München saßen – wir sind in Bologna eingestiegen und da hatte der Zug Verspätung, sogar relativ viel und es war eisig kalt. Also haben wir im Bahnhofsgebäude gewartet, hatten aber Angst, dass wir die Ansage nicht mitbekommen, wann wir aufs Gleis müssen. Jegliche Versuche, beim Bahnmitarbeiter Auskünfte zu bekommen, scheiterten daran, dass dieser offenbar keine der „gängigen“ Fremdsprachen auch nur ansatzweise beherrschte… vielleicht kann er ja russisch oder chinesisch, aber Englisch, Französisch oder Deutsch konnte er auf jeden Fall mal nicht…

In Frankreich haben sie ja das interessante Prinzip, dass die Bahnsteige nicht fest zugewiesen sind, sondern (theoretisch) 20 Minuten vor der Abfahrt angegeben werden. Als ich in meiner Deutschassistentenzeit zu Weihnachten nach Hause fuhr, hatte der Zug massive Verspätung (schließlich lagen ein paar mm Schnee) – und die wurde noch viel größer dadurch, dass uns erst ca. 20 Minuten nach der planmäßigen Abfahrt mitgeteilt wurde, auf welchem Gleis der Zug fährt. Bis die Menschenmassen des Weihnachtsreiseverkehrs einen in Doppeltraktion fahrenden TGV bestiegen hatte, dauerte es, zumal die TGV-Waggons nur an einem Ende eine Tür haben (also etwa halb so viele Türen wie ein ICE gleicher Länge)… der Zug stand schon lange da, wahrscheinlich wurde er noch gereinigt – aber wenn man uns zumindest mal den Bahnsteig gesagt hätte, dann hätten wir schon mal in die Nähe der richtigen Tür gehen können… allein, um am ersten Teil der Doppeltraktion vorbeizugehen, brauchte man schon einige Minuten.

Auch spannend war unsere Reise mit dem Uni-Chor von Konstanz in die Ukraine. Dass es zwischenzeitlich spannend war, ob wir den (einzigen) Zug nach Kiew in Berlin überhaupt bekommen, lasse ich mal außer Acht 😉 Aber im Zug wurde es dann kompliziert, weil die Verständigung mit dem Zugpersonal nur mit Händen und Füßen ging, da sie weder Deutsch noch Englisch konnten. Unsere Fahrkarten waren ihnen aber suspekt, weil sie nicht wie gewohnt bedruckt waren – wir hatten Gruppenkarten, wo auf den Teilnehmerkarten nicht so viel stand. Und das mussten wir ihnen dann irgendwie erklären. Der Kauf dieser Karten in Deutschland war auch spannend, denn unser Chorleiter hatte sich ein Angebot geben lassen und als er kurz vor Beginn der Buchungsfrist nochmal was fragte, hieß es plötzlich, dass alle Karten dieses Angebots schon verkauft seien… er hat dann aber mit „etwas“ Unterstützung von offizieller Seite durchbekommen, dass wir die Karten zum ursprünglich angebotenen Preis bekommen.
Die Fahrt in die Ukraine war von daher interessant, dass wir an der polnisch-ukrainischen Grenze neue Fahrgestelle bekommen mussten. Dazu wurde der ganze Zug hydraulisch angehoben und dann wurde von oben und unten gehämmert und geschraubt; und als wir dann weiterfuhren, wurde man im Zug irgendwie etwas hin- und hergewiegt :lol:. Da es noch „herkömmliche“ Toiletten waren, durfte in der Zeit keiner auf die Toilette – was auf der Hinfahrt ungünstig war, weil wir nicht „vorgewarnt“ wurden… ein paar Leute mussten dann dort auf die Toilette und wurden dann von Soldaten oder Grenzschutz zu einem Häuschen außerhalb des Gebäudes begleitet. Die ganze Aktion muss sehr geheim sein, denn die Halle war militärisches Sperrgebiet. Der Zoll ging in der Zeit natürlich auch durch, da es ja eine EU-Außengrenze ist und wir auch die Visa beantragen mussten (das ging aber direkt an der Grenze, wir mussten nur einen Pass haben). U.a. mussten wir den Zweck unserer Reise angeben, wir haben dann „choir journey“ geschrieben, worauf der Zöllner fragte „Mozart? Beethoven?“ – „No, Orff, Carmina Burana“.
Auf der Hinfahrt fand die Aktion immerhin am Tag statt, auf der Rückfahrt war es mitten in der Nacht, wo wir eigentlich gern geschlafen hätten…
Aber es war auf jeden Fall ein Erlebnis, so eine lange Bahnfahrt zu machen. Wir sind an Tag 1 morgens in Konstanz losgefahren, am Abend in Berlin in den Nachtzug gestiegen und dann ca. 25 Stunden später in Kiew angekommen. Auf der Rückfahrt sind wir mittags losgefahren, am nächsten Morgen dann in Warschau umgestiegen und waren abends dann wieder am Bodensee. Da wir eine Gruppe von gut 50 Leuten waren und für die Nacht ja Schlafwagen hatten, war es aber eine lustige Fahrt.
Bis dahin war meine weiteste Fahrt die Fahrt zum Schüleraustausch nach Olomouc in Tschechien gewesen (nachmittags los, in Stuttgart in den Nachtzug, in Nürnberg aufpassen, dass nicht – wie auf der Rückfahrt im Jahr zuvor – ein Teil der Gruppe in den Zugteil gewandert ist, der dort abgekoppelt wird, in Prag dann am Morgen umsteigen).

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