Verfasst von: Seemädel | 7. Mai 2013

Gestürzte Person mitten in der Nacht

Wie schon im letzten Artikel erwähnt, hatte ich mittlerweile ein kleines „Erste-Hilfe-Erlebnis“, und auch wenn es nur ganz klein und harmlos ist, bin ich dennoch nicht ganz sicher, ob ich jetzt richtig gehandelt habe…

Samstag bin ich ziemlich spät vom Kirchentag wiedergekommen und dann vom Bahnhof nach Hause geradelt. Ich war noch nicht weit gekommen, als ich plötzlich eine Person neben mir auf dem Gehweg liegen sah, die offenbar nicht wieder hochkam. Also habe ich angehalten (und mich erstmal misstrauisch umgeschaut, als junge Frau sehr spät abends allein unterwegs in einer Stadt mit meines Wissens erhöhter Kriminalitätsrate finde ich doch etwas unheimlich) und habe gefragt, ob er Hilfe braucht.
Die Antwort war nicht wirklich zu verstehen, aber er wollte offensichtlich hoch. Im ersten Augenblick war ich mir allerdings nicht sicher, ob er nicht womöglich doch irgendwie verletzt ist, weil er auf den ersten Blick etwas komisch da lag. Und auch wenn mir schnell klar wurde, dass er offenbar sturzbetrunken (im wahrsten Sinne des Wortes) ist, hätte er sich ja bei einem durch Alkohol ausgelösten Sturz dennoch verletzen können – meine Erfahrungen mit betrunkenen Menschen sind sehr überschaubar (ich glaube, sie beschränken sich auf die Klassenkameradin, der ich beim Kübeln quasi Händchen gehalten habe und die mich mit dem Kopf über der Kloschüssel fragte, warum ich mich eigentlich nicht betrinke…) und ich war mir zuerst auch nicht sicher, ob man allein durch Alkohol nicht mal mehr vom Liegen ins Sitzen kommt… jetzt weiß ich es :-(. Außerdem hatte ich massive Zweifel daran, dass er sich auf den Beinen halten kann, wenn ich ihn hochgezogen hätte (was kräftemäßig schon drin gewesen wäre). In dem Augenblick kam dann zum Glück ein junger Mann vorbei, den ich kurz anschaute, und der dann auch gleich fragte, ob er helfen kann, die Bierflasche abstellte und zu dem Mann hinging. Wir haben ihn dann schlussendlich hochgezogen, er konnte sich aber nicht mal auf den Beinen halten… der junge Mann musste ihn sehr stützen. Nachdem er auf meine (mehrfache) Frage, ob er in der Nähe wohnt, nicht antwortete, beschloss ich, dass ich einen Notruf mache, weil ich nicht wusste, was ich jetzt machen soll, und nicht riskieren wollte, dass er nach ein paar Metern wieder stürzt oder da draußen erfriert, wenn ich einfach weiterfahren würde (auch wenn er uns dazu aufgefordert hat). Die Nächte werden ja doch recht kühl.
Als ich dann gerade wählen wollte, meinte er aber plötzlich, dass er direkt um die Ecke wohnt, wo er auch allein hingehen wollte, worauf wir uns allerdings nicht eingelassen haben. Die Stütze durch den jungen Mann war auch eindeutig nötig. Er hat sich auf dem Weg noch mehrfach bei uns bedankt, dass wir ihm helfen, und gesagt, dass er jetzt alleine gehen kann. Die letzten Meter hat der junge Mann ihn dann losgelassen (nach der Frage „haben Sie einen Schlüssel dabei?“), ich bin aber stehengeblieben, bis er wirklich im Haus drin war.
Ich zweifel jetzt halt nur, ob es richtig war, ihn einfach nach Hause zu bringen :-?. Was, wenn er im Treppenhaus oder der Wohnung stürzt (er hat schon sehr geschwankt beim Laufen), oder wenn er erbricht und erstickt? Andererseits fürchte ich, dass er ansonsten direkt ins Krankenhaus oder die Ausnüchterungszelle einziehen könnte, wenn er bei jedem Vollrausch dort landet… und leider ist sowas ja kein Einzelfall 😦
Ich hoffe also inständig, dass er seinen Rausch ausgeschlafen hat und dann wieder aufgewacht ist.

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Responses

  1. Also aus meiner Sicht hast du alles richtig gemacht. Betrunkene Menschen muss natürlich geholfen werden, damit sie nicht auf der kalten Straße liegen, doch es ist meistens besser sie nach Hause zu bringen, damit sie dort ihren Rausch ausschlafen können.
    Nicht jeder Betrunkene ist nämlich etwas fürs Krankenhaus und die polizei nimmt diese Leute auch ungern mit.
    Von daher war das Ansprechen und mit Hilfe nach Hause bringen genau das richtige.
    Wenn ihm zuhause etwas passiert, liegt das nicht mehr in deinen Erwartensspielraum, denn dort kann jedem Menschen immer irgendetwas passieren (Betrunkene sind ja nicht häufiger betroffen)

    • Vielen Dank für die Rückmeldung!
      Dann bin ich ja froh, dass es richtig war. Klar kann in der Wohnung immmer und jedem was passieren, ich hätte nur gedacht, dass bei einem Betrunkenen das Risiko signifikant höher ist…

      Wenn ich nicht rausgefunden hätte, wo er wohnt, bzw. wenn das weiter weg gewesen wäre – was wäre dann der richtige Weg gewesen? Tatsächlich einen Notruf machen und die schicken dann jemanden oder sagen mir zumindest, was ich machen soll? Oder wer wäre dann zuständig?

      • Wenn der betrunkene Mann sich hätte nicht mehr verständigen können, dann wäre ein Notruf das Mittel der Wahl gewesen. Dann hätte der Rettungsdienst den Mann anschauen müssen und er wäre wahrscheinlich mitgenommen werden (ist aber auch überall ein bisschen anders geregelt, wie mit Betrunkenen umgegangen wird und wo sie letztendlich landen).

      • Solange es nicht heißt, dass es Missbrauch des Notrufs ist… und wenn die Leitstelle nur sagt „lassen Sie ihn liegen“, Hauptsache, ich weiß, was ich machen soll, wenn er sich nicht verständigen kann oder weiter weg wohnt…
        Aber klingt ja so, als ob es durchaus ok wäre, im Zweifel anzurufen. Danke.


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