Verfasst von: Seemädel | 21. April 2013

Kinderfeindlichkeit und Klagewut

Wenn ich daran denke, dass Deutschland als „kinderfeindlich“ gilt, sehe ich dabei hauptsächlich Leute vor mir, die kinderlos sind und/ oder so alt, dass sie sich da nicht mehr dran erinnern – und die dann gegen Spielplätze, Kindergärten, Ballspielfelder etc klagen. Zum Glück ist es in Deutschland ja mittlerweile von der Gesetzgebung her deutlich schwieriger geworden, gegen Kinderlärm zu klagen. Aber es bleiben natürlich immer noch genug Schlupflöcher, dann wird eben nicht gegen den Kinderlärm geklagt, sondern wegen Verkehrsbelastung, Naturschutz, der Verringerung der Population der Tauben um 3 Stück oder gegen die von den Eltern mitgebrachten Rehpinscher. Ja, ich weiß, ist etwas übertrieben, aber selbst wenn wir hier nicht in Amiland sind, gibt es ja Leute, die wegen jedem Fitzelchen klagen und dann ggf. äußerst erfinderisch sind, wenn es drum geht, einen Grund zu finden.
In diesem Zusammenhang fallen mir die verschiedenen Klagen gegen Rettungshubschrauber ein, besonders ein Fall aus Berlin. Die Kläger empfinden wohl inzwischen gar keine so große Belastung mehr, haben aber die Klage trotzdem nicht zurückgezogen… also musste das Krankenhaus tatsächlich Geld an die Kläger zahlen (12.000 €, wenn Schallschutz eingebaut wird, 6.000 € ansonsten) – ich wüsste definitiv sinnvollere Verwendungen für meine Krankenkassenbeiträge :evil:. Kann ich auch klagen, wenn das Martinshorn eines RTW auf dem Unigelände mich bei einer Klausur beim Nachdenken stört? Oder gar der Hubschrauber?!?
Schade, dass es wohl weder ethisch noch rechtlich vertretbar ist, bei einem eventuellen Notfall in diesen Villen auf keinen Fall mit dem RTH zu kommen…
Über die Lärmbelastung durch Bahnstrecken, Autobahnen und Flughäfen kann man ja meinetwegen streiten, aber beim Rettungsdienst und der Feuerwehr hört mein Verständnis echt auf. Klar, ich kann sie auch in Hintertupfingen oder sonstwo in der Pampa stationieren, damit sie weniger Anwohner stören, aber dann brauchen sie halt auch länger, bis sie bei mir sind, wenn meine Wohnung mal brennt oder jemand einen Herzinfarkt bekommt…

Aber was mich diese Woche beim Zeitung lesen fassungslos gemacht hat, war Kinder(garten)feindlichkeit mal anders: Keine Klage, sondern eine Unterschriftenaktion – gegen eine Kinderkrippe. Und zwar nicht von den Bewohnern des Altersheims „Zur himmlischen Stille“, sondern von den in der Umgebung der geplanten KiTa wohnenden Jungfamilien 😯 😯 :shock:. Sie fürchten den Verkehr, die Abnutzung der Straße und die Wertminderung, nachzulesen bei den Lübecker Nachrichten.
Ja, geht’s noch?!? Ich denke, die Probleme ließen sich durchaus lösen – und wenn ich Mutter wäre, fände ich einen kurzen Weg zum Kindergarten äußerst praktisch.
Aber irgendwie ist das wie mit (erneuerbaren) Energien, jeder will billigen Strom und natürlich auf keinen Fall ausgerechnet in seiner Nähe ein AKW, Windräder oder Solarparks…

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